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Türkei startet Angriffe auf PKK-Stellungen im Irak

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Bis zu zwei Dutzend türkische Kampfflugzeuge haben in der Nacht zum Sonntag das Hauptquartier der Terrororganisation PKK im Nordirak bombardiert. Bei den Luftangriffen wurden vor allem Kommunikationseinrichtungen der Organisation zerstört. Laut Angaben sei das PKK-Hauptquartier im Berg Kandil dem Erdboden gleichgemacht worden. Wie der erste türkische Vorstoß vor zwei Wochen basierte auch die Militäraktion vom Sonntag auf Geheimdienstinformationen der USA.

Kurz nach Mitternacht waren die Kampfflugzeuge vom Typ F-16 von dem Stützpunkt in Diyarbakir aufgestiegen. Der Angriff auf die PKK-Stellungen in den Kandil-Bergen rund hundert Kilometer tief auf irakischem Territorium dauerte mehrere Stunden.

Nach Angaben des Militärs griffen die Kampfflugzeuge ausschließlich Stellungen der PKK an. Zudem hätten Bodentruppen das Grenzgebiet beschossen, in dem sich Schätzungen zufolge 3000 PKK-Terroristen aufhalten.

Generalstabschef Yaşar Büyükanıt sagte dazu: „Die USA haben in der vergangenen Nacht den irakischen Luftraum für uns geöffnet.“ Er wies darauf hin, dass kein Dorf mit Zivilbevölkerung getroffen worden ist und teilte mit: „Wir haben nur die vorher festgestellten PKK-Stellungen bombardiert.“ Die PKK nutzen den Nordirak als Rückzugsgebiet, um ihre Angriffe auf die Türkei vorzubereiten. Unterdessen hieß es, dass auch der Iran den Berg Kandil angegriffen hat.

Bezüglich der grenzüberschreitenden Operation von gestern sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan: „Die türkischen Streitkräfte haben einen umfassenden Luftangriff auf Ziele der Terrororganisation und auf ihre Stützpunkte unternommen. Ich freue mich mitteilen zu können, dass die unter den schwierigen Bedingungen der Dunkelheit durchgeführte Operation nach unseren ersten Einschätzungen erfolgreich gewesen ist." Ferner fügte er hinzu: „Als Regierung sind wir entschlossen, alle Mittel im Bereich Militär, Diplomatie und Wirtschaft gegen die Terroristen zu benutzen. Unser Kampf gegen den Terror wird im In- und Ausland entschlossen geführt.“ (Hürriyet) 

Staatsminister und stellvertretender Ministerpräsident Cemil Cicek, der die militärische Operation vom Sonntag gegen die PKK bewertete, rief die PKK-Terroristen auf, sich zu ergeben. Cicek erklärte, die Angriffe würden fortgesetzt, solange dies notwendig sei. Die Regierung sei entschlossen, die Türkei vom Terrorismus zu befreien, sagte er. (Türkiye) 

Das US-Außenministerium teilte mit, dass die grenzüberschreitende Operation ein Beschluss Ankara ist. Die USA respektiere das Recht der Türkei auf Selbstverteidigung. Der Sprecher des US-Außenministeriums Chase Beamer teilte gestern mit, dass die militärischen Operationen der Türkei auf die PKK zielen und sagte: „Bis jetzt sind uns keine Informationen über zivile Verluste gekommen.“ Beamer deutete an, dass die Türkei die USA vor der Operation informiert hat. (Milliyet)

Die Oppositionsparteien gaben unterstützende Erklärungen über die Luftoperation in den Nordirak, dennoch brachten sie das Erfordernis eines Landmanövers zum Ausdruck. Stellvertretender CHP-Vorsitzender Onur Öymen sagte: „Trotz Verspätung ist diese Operation ein beachtlicher Schritt auf dem Weg zur Beseitigung der PKK. Aber allein eine Luftoperation wird den gewünschten Erfolg nicht bringen. Es ist auch nicht richtig, Themen wie Reue und Amnestie während einer militärischen Operation auf die Tagesordnung zu setzen.“

Der stellvertretende MHP-Fraktionsführer Oktay Vural teilte seinerseits mit, dass eine solche Operation, obwohl sie begrenzt ist, von Bedeutung sei, und sagte, dass nun auch das Landmanöver beginnen müsse. (Milliyet)

Alle türkischen Zeitungen machen heute einheitlich mit den Angriffen der türkischen Luftwaffe in der Nacht zum Sonntag gegen mehrere von PKK-Kämpfern bewohnte Dörfer im Norden Iraks aufmerksam. Dabei ist eine deutlich angriffslustige und nationalistische Stimmung der Zeitungen zu vernehmen. „Die Türkei hat denen, die glauben, sie sei nicht stark genug, die historische Antwort gegeben“ und „Die Boshaften werden nicht mehr schlafen können“, heißt es in der konservativen HÜRRIYET. Die ebenfalls konservative SABAH weiß zu berichten, dass eine aktuell diskutierte Amnestie für PKK-Kämpfer die Terror-Organisation weiter schwächen werde, da sich nun mehr „unschuldige Jugendliche“ von der Organisation lossagen werden.

Die liberale RADIKAL hat auch die Stimmung der Oppositionsparteien eingefangen, denen die Operationen gegen die PKK nicht weit genug zu gehen scheinen. Die ultra-nationalistische MHP meint, die PKK habe schon viele Funktionäre in Sicherheit gebracht und damit seien die Angriffe deutlich zu spät. Die sozialdemokratische CHP hingegen glaubt, dass die Luftangriffe nicht reichen werden und wünscht Bodenopperationen. Die kurdisch-nationalistische DTP betont, dass „das PKK- und das Kurdenproblem nicht mit Waffengewalt zu lösen ist. Auffällig bei der Berichterstattung ist zudem, dass militärischen Details in allen Zeitungen sehr viel Platz eingeräumt wird. Die politische Bewertung der Operation rückt damit deutlich in den Hintergrund.

Quelle:

Deutsch-Türkische Medienagentur
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