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Türkei: Reaktion auf Wahlen in Hessen und Niedersachsen

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In den in Deutschland erscheinenden türkischen Zeitungen herrscht einen Tag nach den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen einheitlich eine Festtagsstimmung. Alle Zeitungen berichten höchst erfreut über das Wahldebakel für den amtierenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), der sich mit seiner Kampagne gegen jugendliche Kriminelle in der türkischen Presselandschaft keine Freunde gemacht hatte. Auf ihren Titelseiten und als große Berichte in den Europa-Seiten wird dabei mit großen Lettern das Ergebnis der Wahl analysiert.

„Koch wird an der Urne begraben“, heißt es in großen Lettern auf der Titelseite des auflagenstärksten Zeitung HÜRRIYET. Wie das konservative Massenblatt weiter meint, ist der Grund verständlich: „Er hat die Migranten nicht in Ruhe gelassen – So hat er die Wahl verloren“. Der Chefredakteur der Europa-Ausgaben der Zeitung, Kerem Caliskan, nimmt sich in seiner heutigen Kolumne den Wahlkampf vor und kommentiert ihn als „Neo-Rassismus“. Als Beispiele zählt er die Kampagnen gegen Moscheen in vielen Städten auf. Zudem habe sich das „schwarze Schaaf“ als Symbol der Rassisten in diesem Wahlkampf durchgesetzt. „Kriminelle Ausländer raus“-Kampagnen, wie sie von Roland Koch geführt wurden, seien ein weiteres Beispiel, genauso das Verbot des muttersprachlichen Unterrichts in diversen deutschen Schulen.

Der Berliner Redakteur der Zeitung, Ahmet Külahci, weist in seiner heutigen Kolumne auf die „einseitige Berichterstattung“ in den deutschen Medien auf und beschuldigt sie, an der negativen Stimmung gegen Migranten mit Schuld zu sein. „Die deutschen Medien sollten vor ihrem eigenen Haus kehren, bevor sie andere ‚mit Schmutz bewerfen’. Und natürlich sollten sie aufhören, sich wie die Oberlehrer zu verhalten“, so Külahci.

Zudem lässt die Zeitung einige der vielen zur Wahl angetretenen türkischstämmigen Politiker zur Wort kommen. Dabei bedankt sich der für die FDP angetretene Yanki Pürsün bei den türkischen Zeitungen: „Ich bedanke mich bei den türkischen Medien, die die Bürger zur Wahl aufgerufen haben“, so Pürsün.

„Koch ist weg“, heißt es auf Deutsch auf der Titelseite der national-islamischen TÜRKIYE heute. „Der CDU-Politiker Koch hat versucht auf Kosten der Migranten rechte Stimmen zu bekommen. Nun hat er bekommen, was er verdient. Er hat die Herrschaft verloren“, heißt es in der Unterzeile. „Die Augen ganz Deutschlands haben gestern nach Hessen geschaut. Türkischstämmige und sensible deutsche Wähler haben dabei Koch und allen anderen Politikern, die versucht haben über Populismus zu punkten, eine Lehrstunde an der Urne erteilt.“

„Eine Antwort wie eine Ohrfeige für Koch“, titelt die liberale MILLIYET ihre heutige Ausgabe. In den Unterzeilen ist zudem zu lesen: „Migranten als Wahlkampfthema zu benutzen, hat 12,6 Prozent der Stimmen gekostet“ und „Hessen gehört der SPD“. „Während Christian Wulff, Ministerpräsident Niedersachsens, eine maßvolle Kampagne geführt hat und sogar Stimmen dazu gewinnen konnte, musste Roland Koch eine herbe Niederlage einstecken“. Ferner macht die Zeitung darauf aufmerksam, dass auch zwei türkischstämmige Kandidaten den Einzug in die Parlamente in Hessen und Niedersachsen schafften. Turgut Yüksel wird demnach in Hessen und Filiz Polat in Niedersachsen die SPD in den Landtagen vertreten, so die Zeitung.

„Ausländerfeindlichkeit bringt keine Stimmen“, ist auf der Titelseite des Massenblatts SABAH zu lesen. „CDU-Politiker Koch hat nicht bekommen, was er sich erhofft hat“, heißt es ferner auf der Titelseite der Europa-Seiten der Zeitung und weiter: „Türkischstämmige Wähler haben reges Interesse an den Wahlen in Hessen und Niedersachsen gezeigt. Dabei hat insbesondere in Hessen die Kampagne, in der Migranten als Wahlkampfthema benutzt wurden, dazu geführt, dass sich die ca. 100.000 Tausend türkischstämmigen Wähler an die Wahlurnen begaben.“

Der Chefredakteur der Europa-Seiten der Zeitung, Mikdat Karaalioglu, kommentiert den Ausgang der Wahlen wie folgt. Unter der Überschrift „Nichts wird so sein, wie zuvor“ meint er, dass sich mit diesen Wahlen etwas Grundsätzliches an der politischen Kultur in Deutschland geändert habe. „Kein Politiker wird es sich in Zukunft trauen, die Realität der Migration in diesem Land zu leugnen oder die Migranten für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen“, so Karaalioglu.

Quelle:
Deutsch-Türkische Medienagentur
Ali Yumuşak
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