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Brandenburg, Ausländer, Schulbildung, Studie

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Ausländer im Land Brandenburg erreichen gute Bildungswerte

POTSDAM ? Nach dem Ergebnis einer Studie der Sozialwissenschaftlerin Karin Weiss von der Fachhochschule Potsdam (externer Link), die der Märkischen Allgemeinen Zeitung (externer Link) vorliegt, sind die Chancen in der Schulbildung für Ausländer im Land Brandenburg bundesweit am besten. 44 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund erwerben in Brandenburg als Schulabschluss das Abitur. Das Bildungsministerium unterstrich den Zusammenhang mit der Verbesserung des Abschneidens Brandenburgs in der letzten Pisa-Studie im Vergleich zu Pisa I.

Den Erkenntnissen der Studie zufolge liegt der Anteil der Abiturienten unter Brandenburger Zuwanderern höher als unter deutschen Brandenburgern. Von ihnen legen nur 29 Prozent erfolgreich die Abiturprüfungen ab. "In keinem ostdeutschen Bundesland haben wir eine Bildungsmisere unter Zuwanderern, wie sie die Pisa-Studie für die Westländer beschreibt," führte Weiss am 1. Dezember 2005 auf einer Fachkonferenz in Potsdam aus. Brandenburg führt dabei wiederum auch unter den ostdeutschen Bundesländern, insbesondere vor Thüringen und Sachsen, wo nur zwölf beziehungsweise zwanzig Prozent der Zuwandererkinder die Schule mit Abitur verlassen. Diese Länder bringen damit zwar weniger Abiturienten unter Ausländern als unter Deutschen hervor, aber immer noch deutlich mehr als unter Ausländern im Westen.

Auch im Hinblick auf Schülerinnen und Schüler mit Defiziten ist die Lage in Brandenburg weniger angespannt als in anderen Bundesländern: Sonder- oder Förderschulen weisen nur einen Anteil von fünf Prozent Migrantenkindern im Vergleich zu acht Prozent unter ihren deutschen Mitschülern auf. Erfolglos, das heißt, ohne jeden Schulabschluss, gehen sieben Prozent der Zuwandererkinder von den Schulen ab. Brandenburg ist damit das einzige Bundesland mit einer einstelligen Quote in diesem Bereich; und auch bei den deutschen Schülerinnen und Schülern ist das Bild mit einem Anteil von neun Prozent etwas schlechter.

Die Autorin der Studie sieht insbesondere zwei Gründe als für die Ergebnisse maßgeblich an: einerseits gebe es eine Bildungsmigration von Polen nach Ostbrandenburg. Die Schüler kämen eigens nach Brandenburg, um hier ein Abitur zu machen. Zudem vermutet Weiss, dass ein weiterer Schlüssel in der unterschiedlichen Herkunftsstruktur des Ausländeranteils an der Bevölkerung im Vergleich zwischen Ost und West liege. Mehr als 70 Prozent der Zuwanderer in den Ostländern stammten aus Asien oder Osteuropa, wo die Familien bildungsorientierter seien als in den Staaten, die Ziel der Anwerbungswellen gewesen seien. Gerade Zuwanderer aus Vietnam oder jüdische Einwanderer aus dem Raum der ehemaligen UdSSR wiesen eine stärkere Bildungsorientierung auf. "Hinzu kommt, dass unter der großen Gruppe der Vietnamesen fast alle Kinder von klein auf in die Kitas gehen und dort Deutsch lernen", so Weiss. Hingegen sei in den alten Bundesländern Migrantenkindern lange Zeit der Zugang zu Kindergärten erschwert gewesen. Etwaige Zusammenhänge mit dem geringen Anteil an Ausländern in den ostdeutschen Bundesländern beleuchtet die Studie darüber hinaus allerdings nicht.

Die Autorin sprach sich dafür aus, Migration auch als wirtschaftlich-demographische Chance für Brandenburg zu begreifen, "auch wenn sie die Abwanderung nicht ausgleichen kann" (zur Frage der wirtschaftlichen Dimension im neuen Zuwanderungsrecht s. auch diese Kolumne von Prof. Dr. G. Renner ?) Für das brandenburgische Bildungsministerium kommentierte Sprecher Thomas Hainz die Studie: "Das Ergebnis bestätigt wie bereits die Pisa-Studie, dass die Bildungsergebnisse in Brandenburg am wenigsten von der sozialen Herkunft abhängen." Die Studie sei ferner Beleg für das Engagement der Lehrer und der ausländischen Eltern.




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