Rene van der Linden: "Man kann nicht ein ganzes Land verurteilen"

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Der Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) Rene van der Linden sagte zum Thema der Ermordung des Journalisten Hrant Dink, wegen eines Fanatikers könne man nicht das ganze Land verurteilen. Van der Linden, der anlässlich des Beginns der Sitzungen der PACE eine Pressekonferenz veranstaltete, wies darauf hin, dass man Extreme genau wie in seinem eigenen Land Holland in jedem Land fände und man allein deswegen nicht das ganze Land verurteilen dürfe. Als Europarat wollten sie zum Spannungsabbau und zur Dialogsuche beitragen, sagte van der Linden und erklärte: „Mit dieser Absicht werde ich mit den Leitern der türkischen und armenischen Delegationen in der PACE einzeln sprechen und ermitteln, was wir in Bezug auf einen Spannungsabbau tun können.“ (TÜRKIYE)

Kommentar: "Zeit der Vernunft" 

Rene van der Linden, Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, hat über die Ermordung des Journalisten Hrant Dink eine sehr vernünftige Erklärung abgegeben. „Extremisten gibt es sowie in Holland in allen Ländern. Nur aus diesem Grund kann nicht ein ganzes Land verurteilt werden…“ Linden sagt, dass die Spannung abgebaut werden muss. Er werde sich mittels Gesprächen mit türkischen und armenischen Vertretern in der Parlamentarischen Versammlung dahingehend bemühen. Rationell ist dies richtig, auch ethisch eine verantwortungsvolle Annäherung.

Obwohl Dink Opfer eines grausamen Mordes geworden ist, zeigen seine Familie und die armenischstämmigen Bürger diese Verantwortung und Vernunft. Die Festlegung Dinks in seinem Testament, dass bei seiner Beerdigung keine Slogans ausgerufen und keine Plakate getragen werden sollen, ist ein Beispiel dieser verantwortungsvollen Haltung. Warum hat Dink so ein Testament aufgesetzt? Um eventuellen Missbrauch und Provokationen zu vermeiden.

Mordwellen

Vor allem müssen wir aufgrund unserer gesellschaftlichen Struktur annehmen, dass es noch mehr Menschen wie `Ogün Samast` gibt: In die Gesellschaft nicht integrierte, überreizte, asoziale Typen… kulturell zur Gewalt neigend… Auf der ganzen Welt tendieren solche Gruppen zur extremen Rechtsgewalt. Bei entsprechender politischer Lage können diese auch sehr leicht zur Linksgewalt übergehen. In einer ähnlichen Phase der Verstädterung im 19. Jahrhundert gab es in Europa und Russland solche „individuellen politischen Mordströmungen“. Worte wie Nihilismus und Anarchismus stammen aus dieser Zeit.

Aggressive, überreizte, asoziale, ungebildete, in die Gesellschaft nicht integrierte und zu Gewalt neigende Typen! Diese können sehr leicht mit denselben krankhaften Emotionen bandenähnliche Gruppen bzw. kleine Banden bilden. Der organisierte Terror und die Morde der „individuellen“ Bande haben dieselbe soziologische Wurzel.

Eine Zunahme der Spannung kann sowohl zum Verlust der Vernunft als auch zur Provokation solcher zu Gewalt neigenden Gruppen führen.

Armenisches Schauspiel!

Die Stadt Trabzon wurde durch einige Lynchversuche und zwei bedenkliche Morde zu einem blutigen Alptraum! Aber eben in dieser Stadt wird das Theaterstück „Bagdasar-Bruder“ aufgeführt, das vom osmanisch-armenischen Agop Baronjan geschrieben und von Hrant Agopjan, einem Regisseur aus Armenien, inszeniert wurde, und die Zuschauerreihen sind voll!

Können Sie sich vorstellen, dass Samast, der aus Trabzon nach Istanbul kam und Dink ermordete, und Yasin Hayal, der Samast sehr leicht steuerte, mit kulturellen Aktivitäten wie Theater etwas zu tun haben?

Man hat keine juristischen und wissenschaftlichen Beweise in der Hand, die die Verschwörungstheorien, dass hinter dem Mord an Dink große Mächte stehen, unterstützen. Jedoch können konkrete geistige Theorien gesponnen werden.

Es ist aber auch klar, dass illusorische und provozierende Verschwörungstheorien, die in der Gesellschaft oder in einem Teil der Gesellschaft Gefühle der Furcht hervorrufen, keinen Beitrag zur Festigung der Toleranz und zum Respekt vor anderen in unserem Lande leisten werden.“ (Milliyet)

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