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Türkei: Bestürzung nach Mord an Christen

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Entsetzt reagieren die türkischen Zeitungen heute auf den Mord an zwei türkischen und einem deutschen Mitarbeiter eines christlichen Bibelverlages in der südosttürkischen Stadt Malatya. Die Polizei fand die Opfer an Händen und Füßen gefesselt und mit durchgeschnitten Kehlen im Verlagshaus. In Abschiedsbriefen, die die Polizei bei den Tätern fand, wird die Tat als „Dienst für das Vaterland“ beschrieben. Die Sicherheitsbehörden gehen dabei von einer Nähe der Täter zur Hisbollah aus, die Christen in der Türkei des Öfteren mit dem Vorwurf der Missionierung angriffen. Und wie bereits nach dem Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink, gibt es Hinweise, dass der Verlag schon öfter bedroht worden sei, die Polizei aber nichts unternommen habe.

Der deutsche Botschafter in Ankara Dr. Eckart Cuntz teilte mit, dass er den Mordanschlag aufs Schärfste verurteile. Cuntz erklärte, dass er tief bestürzt war, als er von dem Ereignis erfuhr und sagte: "Ich war schockiert, als ich hörte, dass ein Deutscher unter den Opfern ist. Die Deutsche Botschaft hat Kontakt zu den zuständigen Behörden und ich glaube, dass die türkischen Zuständigen ihre Arbeit mit Entschlossenheit und ohne Verzug durchführen werden." (Hürriyet)

Der Chefredakteur der HÜRRIYET spricht vor dem Hintergrund der Morde von einer „kollektiven Verantwortung“ der Türkei. Man habe angesichts der Missionierungsvorwürfe Christen gegenüber nicht nur durch Islamisten und Radikale, sondern auch durch Sozialdemokraten, nichts unternommen. Die Türkei sei schuld, da man entweder „durch aktive Unterstützung, durch Stillbleiben angesichts der Vorwürfe oder durch Abgestumpftheit“ den Mördern den Weg geebnet habe, so Özkök. „Die Türken in Deutschland haben an die 3000 Moscheen erbaut. Wo bleibt unsere Zivilisation, wenn wir nicht ein paar Moscheen und ein paar Missionare in der Türkei dulden können?“ Auch Mehmet Barlas von der SABAH argumentiert in eine ähnliche Richtung. „Die Architekten einer Stimmung im Land, die derartiges möglich machen, müssen ans Tageslicht gebracht werden. Sonst stehen wir immer wieder vor solchen Fällen“.

Kommentar von Okay Gönensin: Warum diese Gräultat?

In Malatya wurde die Menschlichkeit getötet. In wessen Namen, im Namen einer Religion, die den Menschen Wohltat und Aufrichtigkeit predigt... Der Punkt, den religiöser Fanatismus und Blindheit erreicht hat, sollte allen die Augen öffnen. Wenn Menschen anderen Menschen Fesseln anlegen und ihnen dann die Kehlen durchschneiden, sollte man darüber sehr genau nachdenken. Die Menschen, denen man die Kehle durchgeschnitten hat, arbeiteten in einem Verlag, der angeblich das Christentum verbreitet. Jeder, der dies als mildernden Umstand sieht und die Tat in der Weise verteidigt, ist Mittäter der Grausamkeit. Jeder, der sagt, dass die Tätigkeiten des Verlages die religiösen Gefühle der Menschen provozieren und damit diese Grausamkeit zu begründen sucht, ist Mittäter.

Man sollte sich bei der Untersuchung dieser Grausamkeit auch an andere Tatsachen erinnern. Es ist seit langem bekannt, dass radikal religiöse Organisationen in Malatya und in anderen Städten gegen die PKK im geheimen unterstützt werden.

Diejenigen, die in Ankara diese Politik erzeugen, wurden noch nicht zur Rechenschaft gezogen. Wir sollten uns an den Mord an Hrant Dink erinnern. Der Mörder wurde in der Polizeiwache von der Gendarmerie und der Polizei wie ein "Held" behandelt. Die Verantwortlichen konnten leider die Verlängerung dieses Mordes nicht sehen. Da der Mörder von Hrant Dink wie ein Held behandelt worden ist, können auch diejenigen, die den missionarischen Verlegern die Kehle durchgeschnitten haben, eine Behandlung wie `Helden des Islam` erwarten.

Diese Grausamkeit in Malatya ist eine direkte Folge der Tätigkeiten und Kopf verdrehenden Veröffentlichungen einiger Kreise nach dem Mord am Priester in Trabzon und an Hrant Dink. Bei dieser Tat muss man sich eine Frage bezüglich der zeitlichen Abstimmung stellen. Vor uns stehen zuerst die Wahl des Staatspräsidenten und dann die allgemeinen Wahlen. Heute und auch später werden zahlreiche Themen bezüglich des politischen Islam an oberster Stelle auf der Tagesordnung stehen.

Man kann zwar denken, dass in einer solchen Lage das Durchschneiden der Kehle von Menschen verschiedene Zwecke erfüllen kann. Es gibt tatsächlich solche, die so denken und Kalkulationen aufstellen. Und diese sind nicht diejenigen, die aufgrund ihrer religiösen oder nationalen Gefühle vor Wut überschäumen. Im Gegenteil. Sie sind kaltblütige Planer jener Spiele, die man versucht, mit der Türkei zu treiben.

Die Grausamkeit in Malatya wurde gestern im Fernsehen auf der ganzen Welt gemeinsam mit der Nachricht über den Tod von etwa 200 Menschen bei einem Angriff im Irak als erstes berichtet. Damit sieht es so aus, als ob die Mörder und die, die dahinter stecken, ihr erstes Ziel erreicht haben. Die Türkei wurde neben dem Irak, in dem sich die Sunniten und Schiiten gegenseitig ermorden, als ein Land gezeigt, in dem wieder religiöse Fanatiker den Menschen die Kehle durchschneiden.

Die Mörder in Malatya, Trabzon und Istanbul, diejenigen, die hinter den Morden stehen, diejenigen, die für die Morde Begründungen suchen und diejenigen, die den eigentlichen Grund, der sich hinter diesen Morden verbirgt, zu verstecken versuchen und diese für ihre politischen Ziele ausnutzen, sind alle Landesverräter, wie auch immer sie sich bezeichnen mögen. (Vatan)

Quelle: Deutsch-Türkische Medienagentur
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