Todesopfer unter Flüchtlingen in die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union im Jahr 2011

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Todesopfer an den Grenzen sind Thema der Antwort der Bundesregierung (17/8837) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (17/8704). Wie die Regierung darin schreibt, sind nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) im vergangenen Jahr mehr als 1.500 Migranten und Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken oder gelten als vermisst.

Zur Frage, wie viele Menschen in der EU 2011 tot aufgefunden wurden, nachdem sie „im Zuge ihres Versuchs der gegebenenfalls unerlaubten Einreise“ in ihrem Transportmittel Sauerstoffmangel, Hunger, Durst, Kälte, Überhitzung oder ähnlichem ausgesetzt waren, liegen der Bundesregierung der Vorlage zufolge keine amtlichen Erkenntnisse vor.

Auf die Frage, wie viele Menschen unter solchen Umständen in Deutschland aufgefunden wurden, berichtet die Regierung von zwei Toten, die am 8. Mai 2011 auf dem Parkplatz einer Tank- und Rastanlage an der Bundesautobahn 7 auf einem griechischen Sattelschlepper in einer Kabeltrommel aufgefunden worden seien. Bei den beiden Toten handelte es sich laut Antwort um zwei männliche afghanische Staatsangehörige. Die Obduktion habe den „sogenannten Hitzetod als Todesursache (Herzversagen aufgrund starker Hitze, räumlicher Enge und Dehydrierung)“ ergeben.

Die Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen (FRONTEX) berichtete im Rahmen des RABIT-Einsatzes (RABIT: Rapid Border Intervention Team) (November 2010 bis März 2011) über vier Leichen unbekannter Herkunft, die am 5. und 6. Januar 2011 in Patelo an der griechischtürkischen Grenze aufgefunden wurden. Als Todesursache wurde von ärztlicher Seite Unterkühlung angegeben.

Der grenzpolizeiliche Verbindungsbeamte der Bundespolizei in Italien berichtete von einem Vorfall, der sich am 6. April 2011 ca. 39 Seemeilen südwestlich von Lampedusa ereignet hat. Ein Flüchtlingsschiff, das mehrheitlich mit Flüchtlingen aus Somalia und Eritrea besetzt war, kenterte bei dem Rettungsversuch der italienischen Küstenwache. 52 der ursprünglich 300 Flüchtlinge wurden gerettet und nach Lampedusa verbracht. 20 Personen konnten nur tot geborgen werden. Die Suche nach weiteren Personen wurde durch hohen Seegang erschwert.

Der am griechischen Fährhafen Patras auf bilateraler Basis eingesetzte Beamte der Bundespolizei berichtete am 16. April 2011 von der Feststellung einer leblosen Person auf der Ladefläche eines Lkw mit deutscher Zulassung. Die Person gelangte mit drei weiteren Personen unbemerkt durch Zerschneiden der Plane des Aufliegers auf die Ladefläche. Reanimationsversuche bei der Person blieben ohne Erfolg.

Der am griechisch-türkischen Grenzübergang Kipi im Rahmen von FRONTEX eingesetzte Beamte der Bundespolizei berichtete von einem Verkehrsunfall am 11. Juli 2011, bei dem ein Fahrzeug vermutlich wegen überhöhter Geschwindigkeit nahe der Ortschaft Komotini von der Fahrbahn abkam und verunfallte. Im Fahrzeug befanden sich 13 Personen arabischer Herkunft. Neun Personen verstarben und vier Personen wurden schwer verletzt.

Der auf bilateraler Basis am italienischen Fährhafen Ancona eingesetzte Beamte der Bundespolizei berichtete am 19. Juli 2011 von der Feststellung einer bewusstlosen afghanischen Person auf einem unverschlossenen Sattelauflieger, der mit der Fähre aus Igoumenitsa kam. Die Person wurde nach erfolgten Erste- Hilfe-Maßnahmen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Der im Rahmen eines bilateralen Abkommens eingesetzte Bundespolizeibeamte in der Türkei berichtete nach Auswertung der türkischen Medien am 19. Juli 2011 von dem Fund von vier nicht identifizierten Leichen in der Ortschaft Subasi, die mutmaßlich planten, nach Griechenland einzureisen.

Quelle: Deutscher Bundestag