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Niederlande: Integration und multikulturelle Gesellschaft auf dem Prüfstand

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Den Haag/Berlin - In der Folge der Ermordung des niederländischen islamkritischen Regisseurs Theo van Gogh zeichnen sich weit reichende Konsequenzen für das Gesellschaftsmodell in den Niederlanden ab.

Nachdem es seit dem Tod van Goghs in den Niederlanden anhaltend zu gewalttätigen Ausschreitungen kommt, deren Ziel insbesondere muslimische Einrichtungen sind, versucht nun die Politik, das Heft wieder in die Hand zu nehmen.

Der Ton hat sich insbesondere gegenüber ausländischen Mitmenschen verschärft. Die Staatsführung hat Reizworte in die Diskussion gebracht wie die Schließung von Moscheen sowie die Aberkennung der niederländischen Staatsbürgerschaft gewaltbereiter Doppelstaater.

Es wird offen davon gesprochen, dass das niederländische Integrationsprojekt ein weit höheres Ansehen genossen habe, als es die Tatsachen rechtfertigten.
Im Fadenkreuz der Diskussion stehen Einwanderer aus Marokko und die türkische Minderheit. Ein Bericht der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Wochenende illustriert diesen Befund mittels statistischer Angaben sehr
eingehend: die Arbeitslosenquote unter Türken und Marokkanern belaufe sich auf das vierfache derer unter Niederländisch-stämmigen. Die Qualität von Sprachkursen sei unzureichend, wo solche überhaupt stattfänden.
Gettoisierung und Rassentrennung habe sich an Schulen und in Städten quasi aus sich selbst heraus entwickelt. Rassistische und nationalistische Parolen wie "Marokkaner raus" und "Runter mit dem Kopftuch" hätten in der Bevölkerung zunehmend Anhänger gefunden.

Weiter berichtet das Blatt unter Berufung auf den Leiter des Rotterdamer Landesbüros zur Bekämpfung von Rassendiskriminierung, dass etwa 25 % der niederländischen Arbeitgeber offen zugäben, aus Prinzip keine Ausländer einzustellen. Dennoch will der Leiter, Igor Boog, ein Scheitern des Integrationsprozesses in den Niederlanden nicht ausmachen.

Die Tagesthemen in der ARD vom gestrigen Sonntag nahmen die Entwicklungen in den Niederlanden zum Anlass, über die Integration von Muslimen in Deutschland zu berichten. Dabei kam die Redaktion zu dem Ergebnis, dass die Mehrzahl der hier lebenden Muslime der deutschen Gesellschaftsordnung offen gegenüber stehe und sich mehr oder weniger gut integriert fühle.

Dennoch sei auch in Deutschland eine Gettoisierung zu beobachten. Die Tagesthemen wählten für einen exemplarischen Bericht den Berliner Stadtteil Neukölln aus, in dem ca. 100 000 Muslime leben, was einem Drittel der Einwohner entspricht. Auch wenn der Bericht ein insgesamt eher positives Resumee zieht, haben auch deutsche Politiker das Thema zwischenzeitlich für sich entdeckt.

Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan forderte, dass in deutschen Moscheen zukünftig in deutscher Sprache gepredigt werden müsse.
Die Grünen lehnten diesen Vorschlag ab. Deren Bundesvorsitzende Claudia Roth schlug jedoch in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen" vor, die Befähigung zum Imam müsse zukünftig auch an deutschen Universitäten erworben werden können, und an deutschen Schulen müsse deutschsprachiger Islam-Unterricht erteilt werden. Bundesinnenminister Otto Schily teilte mit, dass er das neue Zuwanderungsgesetz lediglich als Einstieg in eine systematische Integrationspolitik verstehe, weitere Schritte mithin dringend auf der Tagesordnung stünden."