Rezension: SCHULTE-BUNERT/WEINREICH (Hrsg.): Standardkommentar zum FamFG

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Buchbesprechung: SCHULTE-BUNERT/WEINREICH (Hrsg.): FamFG,
3. Aufl. Luchterhand 2012, Wolters Kluwer Deutschland GmbH -
ISBN 978-3472-07915-6 -

FamFG-Kommentar

Seit 01.09.2009 gilt mit der Einführung des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) mit 491 Paragrafen, eine neue Kodifizierung im Bereich der freiwilligen Gerichtsbarkeit, die auch ein neues Verfahren in Freiheitsentziehungssachen mit einschließt. Prof. Dr. Schulte-Bunert (Richter am Amtsgericht Köln und Professor an der Fachhochschule für Rechtspflege NRW) und Weinreich (Vors. Richter am OLG Oldenburg) greifen auf eine große und erfahrene Autorengemeinschaft aus dem Bereich Wissenschaft, Notariat, Gerichtsbarkeit und Anwaltschaft zurück und liefern einen Großkommentar, der die Rechtsprechung bis Oktober 2011 berücksichtigt. Dieses Werk ist mit rd. 2.100 Seiten ein wahres Schwergewicht unter den Standardwerken.

Der Schulte-Bunert/Weinreich erschien seit Inkrafttreten des FamFG in 2009 bereits in 3. Auflage im Wolters Kluwer Verlag, Köln und setzt sich zum Ziel, die neue Materie mit der gebotenen Praxisrelevanz, auf aktuellem Stand umfassend und dennoch kompakt darzustellen. Der familienrechtliche Praktiker bietet ein umfangreiches Abkürzungs-, Inhalts- und Stichwortverzeichnis. Zu Beginn gefällt eine umfangreiche und dennoch übersichtliche Einleitung, die einen schnellen Einstieg in die komplexe Materie bietet.
Der Kommentierungsteil behandelt die Betreuungssachen, Unterbringungssachen, Nachlasssachen, Registersachen, Freiheitsentziehungssachen sowie das Aufgebotsverfahren, ist in der bewährten Darstellung mit Hervorhebungen im Fett-Druck und Randnummern formatiert und lässt daher eine schnelle Erfassung des Textes zu.
Auf die Verwendung eines ausgewiesenen Fußnotenbereichs wird verzichtet, was dem Charakter eines Großkommentars nicht unbedingt entgegen kommt. Die im Text integrierten Quellen und Bezüge lassen aber einen ordentlichen Lesefluss noch ohne weiteres zu. Wünschenswert wäre eine Abkehr von der Praxis, Gerichtsentscheidungen ausschließlich aus amtlichen Sammlungen zu zitieren, da der Zugriff nicht für jeden Leser gewährleistet ist. Quellen sind heute zunehmend über Internetportale recherchierbar.
Auf weiterführende Textanlagen wird verzichtet. Als weitere Kommentierungsteile ist das Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG) samt Kostenverzeichnis beigefügt; die Übergangsvorschrift nach Art. 111 FGG-RG rundet die Auswahl ab.
Für die mit dem Werk angesprochene Zielgruppe der Richter, Notare, Rechtsanwälte, Rechtspfleger, Referendare sowie Mitarbeiter/innen der Jugend- und Sozialämter liegt der Schwerpunkt recht ausgewogen im Bereich der Verfahren in Familiensachen, Betreuungs- und Unterbringungssachen. Auch das Buch 7 zu dem Verfahren in Freiheitsentziehungssachen bietet einen guten und aktuellen Einstieg, beschränkt sich aber auf das Wesentliche.

Die neue Auflage berücksichtigt die wesentliche ober- und höchstrichterliche Rechtsprechung zum neuen FamFG sowie einschlägige Aufsätze und andere Publikationen. Der Schwerpunkt dieses Werkes liegt jedoch nicht im juristischen Diskurs und der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen; dies würde dem Charakter eines umfassenden Großkommentars durchaus gut zu Gesicht stehen. Soweit ersichtlich werden aber zu allen relevanten Problemkreisen wertvolle Hinweise und zahlreiche Bezüge geliefert.

Der Schulte-Bunert/Weinreich verdient damit eine vordere Stellung in der Reihe der bewährten Standardkommentare und bietet eine überzeugende sowie ausgewogene Handreichung zu der komplexen Materie in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, der auch das Buch 7 (Freiheitsentziehungssachen) noch angemessen berücksichtigt.

Verfasser:

Holger Winkelmann (Diplomverwaltungswirt (FH)), Redakteur u.a. für Freiheitsentziehungs- und Haftrecht bei Migrationsrecht.Net, Frankfurt/Main, im Januar 2012.

Zum aktuellen Onlinekommentar zum Freiheitsentziehungsrecht (Buch 7 FamFG) auf MNet, der den hier besprochenen Kommentar mit berücksichtigt:

OK-MNet-FamFG