Auswanderung, human ressources, demographischer Wandel, Arbeitsmarkt

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Berlin - Während das Hauptaugenmerk der Politik gegenwärtig auf Zuwanderungsfragen ruht, spielen sich auch in Deutschland Migrationsbewegungen nicht nur in eine Richtung ab. Für die Zukunft könnte es infolge Auswanderung erhebliche Schwierigkeiten geben. Zahlen, die im Auftrag des "Manager Magazins" und der Unternehmensberatung McKinsey erhoben wurden, besagen, dass sich 56 Prozent der Studierenden in den Disziplinen Betriebs- und Volkswirtschaft, Medizin, Ingenieurs- und Geisteswissenschaften sowie weiteren wirtschaftlich ausgerichteten Fachrichtungen konkret eine Karriere im Ausland vorstellen könnten.

Dagegen sehen nur 40 Prozent der im Rahmen der Studie "Generation 05" für sich eine sichere berufliche Zukunft in Deutschland. Der Befund der Studie schreibt sich in dieselbe Stoßrichtung ein wie das Jahresgutachten 2004 des Sachverständigenrats für Zuwanderung und Integration, S. 69 ff. (auf dieses Gutachten wies auf Migrationsrecht.net Prof. Dr. Renner hin). Nach der Auswertung der Studie hängen die wesentlichen Gründe, die zu Überlegungen hinsichtlich einer grenzüberschreitenden Karriereplanung führen, zusammen mit den Ängsten, die künftige Hochschulabsolventen hegen: sie tragen Sorge wegen der hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland (62 Prozent), der Probleme im Bereich Bildung und Wissenschaft (55 Prozent) sowie der Lasten, die der sich abzeichnende demographische Wandel erwarten lässt (ebenfalls 55 Prozent). Vor allem die höheren Semester (ab dem 8. Semester) sowie Studierende der Fachrichtungen Ingenieurwissenschaften, Informatik und Elektronik sehen es zu 60 Prozent und mehr als nicht unrealistisch an, dass die wirtschaftliche oder soziale Situation ihnen Anlass geben könne, Deutschland den Rücken zu kehren. Auf der Seite der Auswanderungswilligen befinden sich klar die angehenden Juristen, die "nur" zu 47 Prozent derlei skeptische Perspektiven in Erwägung ziehen, was nicht zuletzt auf die trotz des Einflusses des Europarechts noch immer stark nationale Prägung ihrer Materie zurückzuführen sein dürfte.

Insgesamt 40 Prozent der Befragten hegen noch eher zuversichtliche Zukunftserwartungen, einige mehr hingegen, nämlich 44 Prozent, rechnen eher mit dem Gegenteil. Die Studentinnen (53 Prozent) sind deutlich pessimistischer als die Studenten (35 Prozent). Im Vergleich der verschiedenen Fachrichtungen nehmen wiederum die Juristen eine hervorgehobene Position ein; sie äußern sich am zuversichtlichsten (52 Prozent Optimisten zu 39 Prozent Pessimisten), am skeptischsten die Wirtschaftswissenschaftler (31 Prozent Optimisten zu 59 Prozent Pessimisten).

Der Umfrage zufolge schätzen die Studenten vor allem China und Japan als erfolgversprechende Wirtschaftsräume ein. Die Europäische Union liegt auf Platz drei, gefolgt von den USA. Großbritannien, Frankreich und Deutschland sind erstaunlicherweise auf den letzten Plätzen zu finden.

Der Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), Thomas Straubhaar, nannte die Studienergebnisse im Hinblick auf die Emigrationsbereitschaft "äußerst alarmierend". Wenn nur drei bis fünf Prozent der leistungsfähigen jungen Menschen aus Deutschland abwanderten, resultiere daraus eine immense makroökonomische Eigendynamik, sagte Straubhaar bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Berlin. Der Alterungsprozeß der Gesellschaft werde verschärft, und die Lasten für die junge Generation würden noch größer. Der Wirtschaftsexperte forderte daher grundlegende Reformen auf dem Arbeitsmarkt und in den Sozialsystemen. "Wenn wir nicht schnellstmöglich vorankommen, sehe ich schwarz." Zugleich appellierte Straubhaar an die junge Generation in Deutschland: "Bleiben ist attraktiver als gehen." Er bezeichnete es als naiv, zu glauben, daß man als Deutscher außerhalb Europas oder auch in den skandinavischen Ländern größere Aufstiegschancen habe.

Der Analyse Straubhaars ist überwiegend zuzustimmen. Übersehen wird allerdings der Zusammenhang, der schon eingangs angedeutet wurde: wenn sich die Ergebnisse solcher Umfragen der Demoskopen nicht in naher Zukunft wieder ändern, aus anderen Gründen aber selbst dann, müssen die Regelungen des Zuwanderungsrechts dem angepasst, mithin immigrationsfreundlicher und sinnvoller wirtschaftlich ausgerichtet werden. Eine Elends-Immigration, wie sie Professor Dr. Renner auf dem hiesigen Portal nach der gegenwärtigen Rechtslage diagnostiziert und prognostiziert hat, kann sich Deutschland nur leisten, wenn zumindest zugleich auch die Immigration qualifizierter Arbeitsmarktteilnehmer gesichert ist.