Deutschland: demographische Entwicklung, Wohnungsbedarf 2030, Migration

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Münster/Berlin - Wie der Brancheninformationsservice Nexis in der vierzehnten Kalenderwoche mitteilte, stehe in Deutschland insgesamt nach jüngsten Prognosen ein Bevölkerungsrückgang entgegen Schätzungen aus der Zeit unmittelbar nach dem Beitritt der DDR zur BRD nicht unmittelbar bevor. Dabei stützt sich der Informationsdienst insbesondere auf eine Untersuchung der LBS Research, einem Institut der Landesbausparkassen im Deutschen Sparkassen- und Giroverband, das sich mit der Untersuchung des Immobilien- und Wohnungsmarktes in Deutschland befasst. Für Migrationsrecht.net ist dies ein Grund, sich mit der Rolle und den Auswirkungen der Wanderungsbewegungen nach Deutschland im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung zu befassen.

Die Untersuchung der LBS Research kam zu dem Ergebnis, dass die Bevölkerungszahl im Jahre 2030 mit 83,6 Millionen Einwohnern um gut eine Million über dem aktuellen Bestand liegen werde. Der Bedarf an Wohnraum in Deutschland werde damit weiter steigen, auch, weil die Tendenz zu Klein- und Kleinsthaushalten (Ein-Personen-Haushalten) sich fortsetze und ggf. verstärke.

Die prognostizierten Bevölkerungszahlen seien nach und nach um 13,7 Millionen Einwohner nach oben korrigiert worden. Wie LBS Research berichtete, hatten die statistischen Ämter von Bund und Ländern noch im Jahre 1992 für 2030 in Deutschland einen Bevölkerungsrückgang auf 69,9 Millionen Menschen vorhergesagt. Mittlerweile gehe das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) selbst in seiner pessimistischsten Prognose davon aus, dass die Bevölkerung im Jahre 2030 mit 83,6 Millionen Einwohnern um gut eine Million über dem aktuellen Bestand liege (s. Grafik bei LBS Research).

Kaum ausschlaggebend für die veränderten Ergebnisse der demographischen Untersuchungen sind offenbar unterschiedliche Annahmen über die Zuwanderung. Die letzten Studien gehen jeweils von gut 200 000 Menschen pro Jahr aus, die nach Deutschland einwandern werden. Maßgeblich, noch vor der bereits erwähnten Tendenz zu einer geringeren Anzahl an Personen pro Haushalt, ist nach Ansicht der Experten vielmehr, dass 1992 noch von gänzlich anderen Daten bei der durchschnittlichen Lebenserwartung der Bevölkerung ausgegangen worden war.

LBS Research ergänzte, dass das DIW selbst bei zurückhaltenden Annahmen für 2030 über dem aktuellen Stand von 82,5 Millionen Einwohnern zur Jahreswende 2004/2005 liege. Bei höheren Annahmen über die Nettozuwanderung sowie bei einem unterstellten konstanten Anstieg der Lebenserwartung wird für 2030 sogar eine Bevölkerung von 85,2 Millionen prognostiziert. Danach werde es unter unveränderten Voraussetzungen laut DIW einen allmählichen Bevölkerungsrückgang bis 2050 auf 83,1 Millionen geben, wobei aber wie gesehen der Bevölkerungsstand noch über dem heutigen Niveau liegen würde.

Der Vergleich der Berechnungen der letzten zehn bis fünfzehn Jahren zeige, so die LBS Research, dass seit Anfang der 1990er Jahre von den Demografen deutliche Veränderungen vollzogen worden seien: Unter dem Eindruck des Ausmaßes der Zuwanderung zu Beginn der 1990er Jahre, die auch die weiteren Prognosen beeinflusst hätten, sei bereits die Achte koordinierte Vorausberechnung der statistischen Ämter des Bundes und der Länder 1994 deutlich nach oben verändert worden. Dies hätten die Prognosen in der Neunten Berechnung teilweise wieder korrigiert; erst mit dem Jahren 2000/2001 hätten allgemein die demographischen Instituten und Ämtern die Erkenntnis gewonnen, dass weiterhin mit einer Bevölkerungszunahme in Deutschland zu rechnen sei. Schon 1997 und 1999 kamen allerdings die Forscher in einem deutsch-amerikanischen Projekt über Migration und Asylpolitik, das unter anderem vom Deutsch-Amerikanischen Akademischen Konzil gefördert worden war, zu Ergebnissen, die den heutigen in der Summe im wesentlichen entsprechen - wenn auch unter abweichenden Annahmen bezüglich der Rolle der Migrantinnen und Migranten [s. Münz/Seifert/Ulrich, Zuwanderung nach Deutschland. Strukturen, Wirkungen, Perspektiven, Frankfurt am Main/New York, 2. Aufl. 1999, S. 168 ff. (176 ff.), "hohes Szenario"].

Im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation in Ostdeutschland wurde noch daraufgewiesen, dass bei den Bevölkerungsprognosen regional zum Teil stark zu differenzieren sei. Klar sei auf jeden Fall, dass manchen Regionen mit Bevölkerungsrückgängen auf der anderen Seite auch zumindest in gleichem Umfang Wachstumsregionen gegenüberstünden. Denn sonst sei per saldo ein Bevölkerungszuwachs mathematisch unmöglich. Diese unterschiedliche Situation führe aber sogar eher zu höherem Wohnungsbaubedarf. Denn Arbeits- und Wohnungssuchende in Wachstumsregionen könnten schwerlich darauf verwiesen werden, dass in anderen Gegenden der Republik immer mehr Wohnungen leer stünden.

Aus migrationspolitischer Sicht bietet sich mithin ein zwiespältiges Bild, von dessen beiden Seiten sich keine mit den Scheinargumenten in der öffentlichen Debatte decken will: zum einen ist Migration von ihrem Effekt auf die Bevölkerungsentwicklung her ersichtlich nicht - jedenfalls nicht mehr - das entscheidende demographische Thema in Deutschland; zum anderen ist sie nach wie vor entscheidend ausschlaggebend - im ganz positiven Sinne - für die Stabilität der Wirtschaft und Sozialsysteme in der Bundesrepublik. Um den letztgenannten Aspekt noch mehr zugunsten der Gesamtbevölkerung nutzbringend zu gestalten, ist es umso wichtiger, den Schwachstellenbefund des neuen Zuwanderungsrechts bei der Hochqualifiziertenzuwanderung schnellstmöglich zu beseitigen.


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