OECD: internationale Migration, Asylbewerber, EU-Osterweiterung und Brain Drain

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PARIS - Am 22.03.2005 veröffentlichte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die neueste Auflage ihres jährlichen Berichtes ?Trends in International Migration?. Dieser Bericht enthält eine kompakte Darstellung der Entwicklungen der Zahlen der Asylbewerber und der Einwanderer in den OECD-Staaten insgesamt.

Außerdem werden die nationalen Politiken, Zuwanderungsgesetze und Maßnahmen gegen illegale Einwanderung genauso dargestellt wie die sozialen Verhältnisse von Migranten und Migrantinnen, Integrationsförderungen und die Tendenzen des ?Brain Drain?, der hoch qualifizierten Migration. Auch die Auswirkungen der EU-Osterweiterung auf die innereuropäische Migration werden erörtert.

Nach der OECD-Untersuchung ?Trends in International Migration? wanderten im Jahre 2003 weniger Menschen in die größten OECD-Länder, wie Australien, Kanada, die Vereinigten Staaten und führende westeuropäische Länder wie Deutschland und die Niederlande, ein. Detaillierte Daten für das Jahr 2004 sind noch nicht verfügbar. Jedoch wird angenommen, dass der Beitritt von zehn neuen Staaten zur Europäischen Union die Wanderungsbewegungen in Europa beeinflusst hat.

In den Jahren 2003 und 2004 ist auch die Anzahl der asylsuchenden Menschen in den OECD-Ländern gesunken, womit der Aufwärtstrend der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre umgekehrt wird. Innerhalb des Jahres 2004 fiel die Anzahl der Asylanträge dabei um 25 %. Frankreich ist Hauptziel von Flüchtlingen. Während 2003 59.284 Asylbewerber nach Frankreich einreisten, waren es 2004 61.6000 Bewerber ? mehr als in jedem anderen OECD -Land.

Viele OECD-Staaten versuchen mit restriktiveren Ausländer- und Zuwanderungsgesetzen die Migrationsströme zu begrenzen und zu kontrollieren. Einige Staaten beschleunigen die durchzuführenden Asylanerkennungsverfahren und setzen gleichzeitig auf eine verstärkte internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung der illegalen Einwanderung. Einige europäische Staaten, einschließlich Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien und den Niederlanden, haben dem OECD-Bericht zufolge gesetzlich die Möglichkeiten des Familiennachzuges zu Migranten begrenzt.

Auf der anderen Seite haben viele OECD-Staaten Maßnahmen erlassen, um die Integration von Migranten zu stärken und um ihnen zu einer Erwerbstätigkeit zu verhelfen. Einige Länder konzentrieren sich dabei unmittelbar auf neu angekommene Einwanderer, denen sie wie in Dänemark und Norwegen Sprachkurse anbieten. Andere Staaten bekämpfen Diskriminierung und Rassismus. Neue Gesetze mit diesem Ziel hat der OECD-Bericht in Frankreich, Schweden und Deutschland ausgemacht. In Spanien bestehen für Einwanderer großen Probleme, eine angemessene und bezahlbare Unterkunft zu bekommen. Die spanische Regierung versucht deshalb, mit der Vergabe von Garantien den Abschluss von angemessenen Mietverträgen zu fördern.

Trotz der oben genannten Initiativen haben Menschen mit Migrationshintergrund größere Schwierigkeiten als Inländer, Arbeit zu finden. Dies gilt insbesondere für Frauen und jüngere Migranten. Junge ausländische Männer zwischen 25 und 29 Jahren haben dabei eine Beteiligungsquote am Arbeitsmarkt -das ist der Anteil der Menschen, die in Arbeit stehen oder Arbeit suchen- die in den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich 14 % unter der nationalen Quote liegt. In Frankreich war sie um 12 % geringer. Das Beteiligungsgefälle am Arbeitsmarkt ist für Frauen noch stärker, die in den Niederlanden 34 % unter der entsprechenden Inländer-Quote lag.

Im Zeitraum zwischen 1998 und 2003 hat die Anzahl von Personen erheblich zugenommen, die in die OECD-Länder zum Zweck des Studiums gekommen sind. Diese steigende Tendenz ist insbesondere auf Initiativen einiger Staaten wie Australien, Kanada und Frankreich zurückzuführen, nach denen mehr ausländische Studenten angezogen werden sollen, indem ihnen die Möglichkeit, Arbeit zu finden und nach dem Studium im Land zu bleiben eröffnet werden. Zwischen 2001 und 2003 hat die Zahl der eingereisten ausländischen Studenten in Großbritannien um 36 %, in Frankreich um 30 % und in Australien um 13 % zugenommen. Im gleichen Zeitraum hat sich der studentische Zuwanderungsstrom in die Vereinigten Staaten um 26 % verringert.

Angesichts der EU-Osterweiterung im Mai 2005 haben die meisten der EU-15-Staaten Übergangszeiträume von zwei bis sieben Jahren eingeführt, um die Einreise von neuen Arbeitskräften aus den zehn neuen EU-Staaten zunächst einzudämmen. Nur Irland, Schweden und das Vereinigte Königreich haben auf solche Maßnahmen verzichtet. Nach den letzten verfügbaren Daten wurden im Vereinigten Königreich zwischen Mai und Dezember 2004 insgesamt 133.000 Anträge auf Arbeitsgenehmigungen aus den neuen Mitgliedsstaaten gestellt. Rund 40 % der Antragsteller waren dabei bereits vor dem 1. Mai 2004 in Großbritannien.

Länder, die eine selektive Einwanderungspolitik zur Anwerbung von hoch qualifizierten Arbeitskräften haben, wie Australien, Kanada, Irland und das Vereinigte Königreich, haben den höchsten Anteil an hoch qualifizierten Migranten unter den Einwanderern (30 - 42 %). In den meisten OECD-Staaten wird die Auswanderung von hoch qualifizierten Personen durch die Einwanderung von hoch qualifizierten Personen aus dem Rest der Welt ausgeglichen. Die Länder, die absolut gesehen am meisten von der hoch qualifizierten Migration profitieren (sog. Brain Gain), sind die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Frankreich und Deutschland.