Weltaidstag: Aids/ HiV in Afrika, Südostasien und Osteuropa, Neuansteckungen in Deutschland gestiege

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Der heutige Weltaidstag steht in Deutschland unter dem Motto: "Gemeinsam gegen Aids. Wir übernehmen Verantwortung. Für uns selbst und andere." Der Slogan ist nicht aus der Luft gegriffen, denn in Deutschland ist die Zahl der Neuansteckungen bis zu 30 Prozent angestiegen, wie die Deutsche Aids-Stiftung am Montag in Bonn mitteilte. Doch die Gebiete Afrika, Südostasien und Osteuropa sind in einem ganz anderen Ausmaß von der Epedemie betroffen.

Für das Jahr 2003 wird in  Deutschland mit knapp 2 000 HIV-Neuinfektionen, ungefähr ein Viertel davon bei Frauen, ausgegangen. Da gleichzeitig aufgrund der besseren Therapiemöglichkeiten weniger Menschen an AIDS erkranken und sterben, erhöht sich die Zahl der lebenden HIV-Infizierten. Insgesamt lebten bis Ende des Jahres 2002 etwa 41 000 mit HIV infizierte Menschen in Deutschland, darunter sind etwa 32 900 Männer und 8 300 Frauen. Durch die besseren Behandlungsmöglichkeiten sind die Aids-Neuerkrankungen seit 1995 stark zurückgegangen. Vom Beginn der Epidemie Anfang der 80er Jahre bis Ende 2002 haben sich in Deutschland etwa 60 000 Menschen mit HIV infiziert,  etwa 23 500 Menschen sind an AIDS erkrankt und etwa 19 000 an den Folgen der HIV-Infektion verstorben. Knapp die Hälfte (47 %) der nach 1995 neu an AIDS-Erkrankten stammen aus den Großstädten Frankfurt a. M., (West-) Berlin, München, Düsseldorf, Hamburg und Köln.

Die AIDS-Infektionsraten sind nicht überall auf der Welt gleich hoch.Nur 13 Prozent der Weltbevölkerung leben in Afrika, dennoch gibt es hier fast 69 Prozent der HIV/AIDS-Fälle und 74 Prozent der weltweiten Todesfälle durch Aids. Dagegen leben in Asien 61 Prozent der Weltbevölkerung und ca. 20 Prozent der HIV-Infizierten.Auf Nordamerika und Lateinamerika entfallen 14 Prozent der Weltbevölkerung und etwa acht Prozent der HIV-Infektionen. In Europa leben zwölf Prozent der Weltbevölkerung und zwei Prozent der HIV-Infizierten weltweit. Auf Ozeanien entfallen 0,5 Prozent der Weltbevölkerung. Diese Region weist einen noch geringeren Anteil an den weltweiten HIV/AIDS-Fälle auf: 0,1 Prozent.
Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) schätzt die Zahl der HIV-Neuinfektionen für 2005 auf bundesweit etwa 2600.Zum Weltaidstag am heutigen 1. Dezember mahnte UN-Generalsekretär Kofi Annan die internationale Gemeinschaft, den Kampf gegen die globale Epidemie der Immunschwäche zu verstärken. "HIV/Aids ist weltweit gesehen die größte medizinische Katastrophe der Neuzeit seit Auftreten der Pest im 14. Jahrhundert", sagte auch RKI-Präsident Reinhard Kurth. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen und die Kindernothilfe forderten speziell auf Kinder zugeschnittene Aidsmedikamente.

Weltweit hat die Aidsepidemie mit erstmals mehr als 40 Millionen Infizierten einen neuen Höchststand erreicht, wie aus dem kürzlich veröffentlichten Weltaidsbericht 2005 hervorgeht. Während der Schwerpunkt in Afrika liegt, ist Deutschland wie die übrigen Industrienationen zwar weniger stark betroffen.

2004 gab es 39,4 Millionen HIV-Infizierte weltweit. Davon sind 2,2 Millionen (2003 = 2,1 Millionen) Kinder unter 15 Jahren und etwa 10 Millionen Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren.Weltweit haben sich im Jahr 2004 etwa 4,9 Mill. (2003 = 4,8 Millionen) Menschen neu infiziert, davon 640.000 Kinder (2003 = 630.000). Im gleichen Zeitraum sind insgesamt 3,1 Millionen (2003 = 2,9 Millionen) Menschen an AIDS gestorben sind.
Von den weltweit HIV - Infizierten leben rund 25,9 Millionen in Afrika. 25,4 Millionen im Afrika südlich der Sahara und 540.000 in Nordafrika und dem Mittleren Osten. Zwischen 2001 und 2003 haben sich jedes Jahr ca. 1,2 Millionen Afrikaner neu mit HIV infiziert, allein 2004 etwa 3,1 Millionen. Insgesamt starben vergangenes Jahr ca. 2,3 Millionen Menschen an AIDS in Afrika.
Weitere Problemgebiete sind Südost-Asien und Osteuropa. Bereits heute zählt Osteuropa zu den Hochprävalenzregionen in Sachen HIV/AIDS (unter Hochprävalenzregion verstehen Epidemiologen ein Gebiet, in dem eine Krankheit in ungewöhnlich hoher Konzentration auftritt). Die geographische Nähe zu diesen Regionen macht sich in Deutschland bemerkbar: Bereits 2002 waren 23% der HIV-Neuinfektionen in Deutschland im Ausland erworben. Auf Nachfrage erläuterte das Robert-Koch-Institut in Berlin, dass es in Migrantengemeinden und binationalen Partnerschaften von einem unverhältnismäßig hohen Übertragungsrisiko ausgeht. Auch durch verstärkte Kontakte mit den neuen Nachbarn der EU wie Russland und der Ukraine wächst das Risiko einer Ansteckung.

Da bisher schon 23% der Neuinfektionen im Ausland erworben wurden, ist damit zu rechnen, dass nach dem Wegfall der Grenzen diese Zahlen weiter ansteigen werden. Nirgendwo auf der Welt breitet sich HIV zurzeit schneller aus als in den Staaten Osteuropas. Nach dem Social Monitor 2003 der UNICEF leben heute schon 1,5 Millionen HIV-Infizierte in den Nationen des ehemaligen Ostblocks. Vor allem durch den Gebrauch harter Drogen und verseuchter Spritzbestecke, die von mehreren Abhängigen geteilt werden, findet das Virus neue Opfer.