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§ 91c Innergemeinschaftliche Auskünfte zur Durchführung der Richtlinie 2003/109/EG

Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz - AufenthG)

Zuletzt geändert durch G vom 29.08.2013 - in Kraft ab 02.12.2013 (siehe unten "Chronik")

(1) 1Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unterrichtet als nationale
Kontaktstelle im Sinne des Artikels 25 der Richtlinie 2003/109/EG die zuständige
Behörde eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union, in dem der Ausländer
die Rechtsstellung eines langfristig Aufenthaltsberechtigten besitzt, über den
Inhalt und den Tag einer Entscheidung über die Erteilung oder Verlängerung einer
Aufenthaltserlaubnis nach § 38a Abs. 1 oder über die Erteilung einer Erlaubnis zum
Daueraufenthalt – EU. 2Die Behörde, die die Entscheidung getroffen hat, übermittelt
dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unverzüglich die hierfür erforderlichen
Angaben. 3Der nationalen Kontaktstelle können die für Unterrichtungen nach Satz 1
erforderlichen Daten aus dem Ausländerzentralregister unter Nutzung der AZR-Nummer
automatisiert übermittelt werden.

(1 a) 1Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge leitet von Amts wegen Auskunftsersuchen der Ausländerbehörden über das Fortbestehen des internationalen Schutzes im Sinne von § 2 Absatz 13 in einem anderen Mitgliedstaat an die zuständigen Stellen des betroffenen Mitgliedstaates der Europäischen Union weiter. 2Hierzu übermittelt die jeweils zuständige Ausländerbehörde dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die erforderlichen Angaben. 3Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge leitet die auf die Anfragen eingehenden Antworten an die jeweils zuständige Ausländerbehörde weiter.

(2) 1Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge leitet von Amts wegen an die
zuständigen Stellen des betroffenen Mitgliedstaates der Europäischen Union Anfragen
im Verfahren nach § 51 Abs. 8 unter Angabe der vorgesehenen Maßnahme und der von der
Ausländerbehörde mitgeteilten wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Gründe der
vorgesehenen Maßnahme weiter. 2Hierzu übermittelt die Ausländerbehörde dem Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge die erforderlichen Angaben. 3Das Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge leitet an die zuständige Ausländerbehörde die in diesem Zusammenhang
eingegangenen Antworten von Stellen anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union
weiter.

(3) 1Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilt der zuständigen Behörde
eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union von Amts wegen mit, dass einem
Ausländer, der dort die Rechtsstellung eines langfristig Aufenthaltsberechtigten
besitzt, die Abschiebung oder Zurückschiebung

  1. in den Mitgliedstaat der Europäischen Union, in dem der Ausländer langfristig aufenthaltsberechtigt ist, oder
  2. in ein Gebiet außerhalb der Europäischen Union

angedroht oder eine solche Maßnahme durchgeführt wurde oder dass eine entsprechende
Abschiebungsanordnung nach § 58a erlassen oder durchgeführt wurde. 2In der Mitteilung
wird der wesentliche Grund der Aufenthaltsbeendigung angegeben. 3Die Auskunft wird
erteilt, sobald die deutsche Behörde, die nach § 71 die betreffende Maßnahme anordnet,
dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die beabsichtigte oder durchgeführte
Maßnahme mitteilt. 4Die in Satz 3 genannten Behörden übermitteln hierzu dem Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge unverzüglich die erforderlichen Angaben.

(4) 1Zur Identifizierung des Ausländers werden bei Mitteilungen nach den Absätzen 1 bis
3 seine Personalien übermittelt. 2Sind in den Fällen des Absatzes 3 Familienangehörige
ebenfalls betroffen, die mit dem langfristig Aufenthaltsberechtigten in familiärer
Lebensgemeinschaft leben, werden auch ihre Personalien übermittelt.

(5) 1Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge leitet an die zuständigen
Ausländerbehörden Anfragen von Stellen anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union
im Zusammenhang mit der nach Artikel 22 Abs. 3 zweiter Unterabsatz der Richtlinie
2003/109/EG vorgesehenen Beteiligung weiter. 2Die zuständige Ausländerbehörde teilt dem
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge folgende ihr bekannte Angaben mit:

  1. Personalien des betroffenen langfristig aufenthaltsberechtigten Ausländers,
  2. aufenthalts- und asylrechtliche Entscheidungen, die gegen oder für diesen getroffen worden sind,
  3. Interessen für oder gegen die Rückführung in das Bundesgebiet oder einen Drittstaat oder
  4. sonstige Umstände, von denen anzunehmen ist, dass sie für die aufenthaltsrechtliche Entscheidung des konsultierenden Mitgliedstaates von Bedeutung sein können.

3Anderenfalls teilt sie mit, dass keine sachdienlichen Angaben bekannt sind. 4Diese
Angaben leitet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge von Amts wegen an die
zuständige Stelle des konsultierenden Mitgliedstaates der Europäischen Union weiter.

(5 a) Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gibt den zuständigen Stellen der anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf Ersuchen innerhalb eines Monats nach Eingang des Ersuchens Auskunft darüber, ob ein Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland weiterhin die Rechtsstellung eines international Schutzberechtigten genießt.

(5 b) Enthält die durch einen anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union ausgestellte langfristige Aufenthaltsberechtigung – EU eines international Schutzberechtigten den Hinweis, dass dieser Staat dieser Person internationalen Schutz gewährt, und ist die Verantwortung für den internationalen Schutz im Sinne von § 2 Absatz 13 nach Maßgaben der einschlägigen Rechtsvorschriften auf Deutschland übergegangen, bevor dem international Schutzberechtigten eine Erlaubnis zum Daueraufenthalt – EU nach § 9 a erteilt wurde, so ersucht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die zuständige Stelle des anderen Mitgliedstaates, den Hinweis in der langfristigen Aufenthaltsberechtigung – EU entsprechend zu ändern.

(5 c) Wird einem in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union langfristig Aufenthaltsberechtigten in Deutschland internationaler Schutz im Sinne von § 2 Absatz 13 gewährt, bevor ihm eine Erlaubnis zum Daueraufenthalt – EU nach § 9 a erteilt wurde, so ersucht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die zuständige Stelle des anderen Mitgliedstaates, in die dort ausgestellte langfristige Aufenthaltsberechtigung – EU den Hinweis aufzunehmen, dass Deutschland dieser Person internationalen Schutz gewährt.

(6) Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilt der jeweils zuständigen
Ausländerbehörde von Amts wegen den Inhalt von Mitteilungen anderer Mitgliedstaaten der
Europäischen Union mit,

  1. wonach der andere Mitgliedstaat der Europäischen Union aufenthaltsbeendende Maßnahmen beabsichtigt oder durchführt, die sich gegen einen Ausländer richten, der eine Erlaubnis zum Daueraufenthalt – EU besitzt,
  2. wonach ein Ausländer, der eine Erlaubnis zum Daueraufenthalt – EU besitzt, in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union langfristig Aufenthaltsberechtigter geworden ist oder ihm in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union ein Aufenthaltstitel erteilt oder sein Aufenthaltstitel verlängert wurde.

Zugehörige Dokumente

icon Chronik des § 91c AufenthG

Zugehörige Kommentierungen




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