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Die Bundesregierung hat auf die im Juni 2006 von Bündnis 90/Die Grünen eingebrachte „Große Anfrage zum Stand der rechtlichen Gleichstellung des Islam in Deutschland“ geantwortet.

Bündnis 90/Die Grünen hatten in ihrer Anfrage darauf verwiesen, dass die Muslime unter den nach Deutschland eingewanderten religiösen Gruppen die größte darstellen, jedoch seit einer vergleichbaren Anfrage der CDU/CSU vom Jahr 2000 keine aktuellen Informationen zum Stand der rechtlichen Integration der Muslime bzw. des Islams in Deutschland vorlägen. In ihrer Antwort vom April 2007 erklärte nun die Bundesregierung, dass sie die „Große Anfrage“ als Gelegenheit sähe, die bei staatlichen Stellen vorhandenen Kenntnisse über die Muslime und ihre Integration in Deutschland darzustellen. Auf 125 Seiten beantwortet sie 36 Fragen, die teilweise nochmals untergliedert sind und religions- und verfassungsrechtliche Aspekte ebenso umfassen wie die Selbstorganisation der Muslime, islamischen Religionsunterricht, Moscheebau und die Rechtmäßigkeit des islamischen Gebetsrufs.

Das neue Aufenthaltsgesetz wurde am 14. Juni 2007 vom Bundestag in 2. und 3. Lesung mit den in der Bundestags-Drucksache 16/5621 vom 13. Juni 2007 enthaltenen Änderungen beschlossen. Eine Reihe von SPD-Politikern stimmte - vor allem wegen verfassungsrechtlicher Bedenken gegen die Einschränkung des Familiennachzugs, gegen den Ausschluss kranker und alter Menschen vom Bleiberecht sowie die Regelung zur "Sippenhaftung" beim Bleiberecht - gegen das Gesetz.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat nach Angaben der HÜRRIYET ihre volle Unterstützung angekündigt, sollte jemand gegen das neue Zuwanderungsrecht den Rechtsweg beschreiten wollen, so die HÜRRIYET auf ihrer heutigen Titelseite. Das neue Gesetz spalte die Familien und sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Für Türken gälten andere Standards als für Bürger aus den USA und Japan. So werde zwar ihre Partei kein Verfahren anstrengen, aber alle unterstützen, die sich mit juristischen Mitteln gegen diese „Ausgrenzung“ wehren, so Roth.

Einen „kleinen“ Berliner Integrations-Gipfel veranstaltet der Senat Berlins unter ihrem Integrationsbeauftragten Günter Piening am heutigen Freitag, wie HÜRRIYET, MILLIYET und ZAMAN berichten. Auf dem erstem Berliner Integrationsgipfel soll über eine bessere Einbeziehung von Migranten in das Leben in der Stadt diskutiert werden. Unter dem Motto „Vielfalt fördern - Zusammenhalt stärken“ werde mit verschiedenen Projekten durch die verbesserte Einbindung der Migranten die Zukunft Berlins gesichert, wie die Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner bei einer Pressekonferenz betonte.

Mit diesen Worten macht das auflagenstarke Massenblatt HÜRRIYET auf die Empörung über die Verschärfung des Zuwanderungsgesetzes unter türkischstämmigen Bürgern aufmerksam. Bei dem heute stattfindenden traditionellen Treffen türkischer Organisationen mit der SPD-Führung soll dabei die Enttäuschung zur Sprache gebracht werden, die das neue Gesetz unter türkischen Zuwanderern ausgelöst hat. So wird der SPD bescheinigt, „wie die CDU“ zu agieren und damit ihre traditionelle Sympathie bei Türken verloren zu haben.

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