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Auf einmal ist er nicht mehr lieb - Berlins ?Mehmet? heißt Mahmoud ? ein jugendlicher Intensivtäter vor Gericht

Nidal ein schlimmes Bürschchen zu nennen, ist sicher nicht falsch. 22 Jahre ist er alt, er hat Kindern Geld weggenommen, einer Wirtin die Handtasche geraubt und mehrere Male randaliert. Er hat sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert und war an Messerstechereien beteiligt. Ein so genannter jugendlicher Intensivtäter, und die Berliner Polizei hat ihm eines Tages den Namen ?Mahmoud? verpasst. ?Mahmoud?, das soll natürlich wie ?Mehmet? klingen, nach jenem berühmten jugendlichen Straftäter aus Bayern, der 1998 als Vierzehnjähriger ohne Eltern in die Türkei abgeschoben wurde. Die Angst, provinziell zu sein, scheint in Berlin so groß zu sein, dass man sich von München nicht auch noch bei den Problemjugendlichen auf die Plätze verweisen lassen will.

Wenn es nach den spanischen Ermittlern ginge, würde Mamoun Darkazanli jetzt wahrscheinlich in einem spanischen Gefängnis auf seinen Prozess warten - immerhin gilt er den Terrorfahndern als eine zentrale Figur im europäischen El- Kaida- Netzwerk. Stattdessen sitzt in dieser Woche, wenn man so will, der europäische Haftbefehl beim Bundesverfassungsgericht auf der «Anklagebank». Dort zeichnet sich ein Grundsatzstreit ab: Hat europäisches Recht Vorrang vor dem deutschen Grundgesetz?

Es gibt Angeklagte, die ein so bedauernswertes Leben haben, dass es selbst nach einer Verurteilung nur mehr aufwärts gehen kann. Svetla A., 27 Jahre alt und aus Bulgarien, ist so ein Fall. Vor dem Berliner Amtsgericht wird sie wegen schweren Menschenhandels in Tateinheit mit Zuhälterei verurteilt, doch als ihr die Dolmetscherin das Urteil übersetzt, braucht sie zum ersten Mal an diesem Tag kein Taschentuch. "Ich möchte so schnell wie möglich nach Bulgarien zurückkehren", sagt Svetla A. Sie lächelt sogar ein wenig. Wie verzweifelt muss man sein, um in Bulgarien die letzte Rettung zu sehen? (Hier finden Sie Gerichtsreportagen von Verena Mayer Gerichtsreportagen von Verena Mayer!)

 

Der Versicherungskaufmann

Andreas G.

wurde zum Schleuser

Der Angeklagte ist Versicherungskaufmann und Alkoholiker. Der Alkohol hat ihn eines Tages um seinen gelernten Beruf gebracht, nicht aber um seinen Ehrgeiz. Andreas G. stieß zu einem Menschenhändlerring, und statt Versicherungen zu verkaufen, fuhr er nun nach Polen und pries jungen Frauen ein Leben im goldenen Westen an. Dass es mit Prostitution und Illegalität zu tun haben würde, erwähnte er nicht, das war Teil seines Jobs. Das Landgericht Berlin verurteilte ihn nun wegen Schleusens zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Das Erste, was der Angeklagte macht, ist eine Verbeugung. Eine Verbeugung zur Richterbank hin, und dann noch eine ganz tiefe zu seiner Dolmetscherin. Der Angeklagte ist Chinese. Er hat einen Vornamen, den der Richter nicht aussprechen kann, und ist Student eines Faches, das der Richter nicht kennt. "Global Production Engineering", sagt der Chinese. "So etwas wie Maschinenbau, Automatisierung und Fertigung", übersetzt die Dolmetscherin. "'Student' reicht für das Protokoll", sagt der Richter unwirsch. Der Chinese deutet eine Verbeugung an und lächelt. Er ist ein höflicher Mensch. Nur einmal war er kurz wütend, und deswegen steht er jetzt vor Gericht. Er soll einer Polizistin den Mittelfinger gezeigt haben.(immer Mittwochs: Gerichtsreportagen von Verena Mayer!)